Praktische Ausbildung

Die Fahrstunden

   

Die Praktische Ausbildung ist in verschiedene Phasen gegliedert, die aufeinander aufbauen.

Auch der Begabteste hat einmal angefangen, deshalb werden keine Vorkenntnisse erwartet. Es gibt ingesamt sechs Ausbildungsstufen.

 

Das Prinzip lautet immer: vom Einfachen zum Schweren. Außerdem nimmt die Hilfestellung des Fahrlehrers zum Ende der Ausbildung hin ab. Man erkennt am Ausbildungsplan (siehe unten), dass vom Fahrschüler Einiges verlangt wird; deshalb kann auch niemand im Einzelfall vorhersagen, wie viele Fahrstunden ein Schüler bis zur nötigen Reife braucht. Wenn man aber bedenkt, dass bis zur Fahrprüfung meistens noch nicht einmal 1000 Kilometer zurückgelegt werden, ist natürlich jede einzelne Übungsfahrt wertvoll.

Erst die Fahrstunden, die man in der Reifestufe und in der Prüfungsvorbereitungsphase nimmt, bringen die nötige Sicherheit für das selbständige Fahren. Hier kann natürlich auch der Fahrschüler mitentscheiden, wieviel Sicherheit er gerne haben möchte. Die Entscheidung, ob die Ausbildung eines Schülers abgeschlossen ist, muss jedoch der Fahrlehrer treffen (§ 6 Absatz 1 der Fahrschüler-Ausbildungsordnung)

Man wird auf die Frage »Na, wie viele Fahrstunden hattest du denn?« wahrscheinlich selten eine ehrliche Antwort bekommen. Viele glauben, sich mit jeder Fahrstunde einen Zacken mehr aus der Krone zu brechen. Großzügig abrunden, heißt oft die Devise. Warum eigentlich? Ist es nicht logisch, dass ein Schüler mit jeder Übungsfahrt auch mehr Erfahrung in die Prüfung und die Probezeit einbringen kann? Ein Fallschirmspringer würde wahrscheinlich sogar übertreiben, wenn er nach der Anzahl seiner Sprünge gefragt wird...

Wer den Fahrlehrer oder die Fahrschule wechseln möchte (was sich bei Umzügen oft nicht vermeiden lässt, oder es fehlt wirklich an der gegenseitigen Sympathie), hat Anspruch auf eine Bescheinigung über seine bisherigen Fahrstunden und den exakten Ausbildungsstand. So kann sich der neue Fahrlehrer rasch ein Bild von den bisherigen Fahrkünsten machen.

Die Stufenausbildung

1. Grundstufe

 

  • Überprüfen des Fahrzeugs, Einsteigen, Einstellung, Vorbereitung
  • Kontrolleinrichtungen
  • Anfahrübungen, Lenkbewegungen, Bremsen, Schalten
  • Mindestmaß an Sicherheit in der Fahrzeugbedienung

 

2. Aufbaustufe

 

  • Bewegen des Fahrzeugs im einfachen Verkehr, Blicktechnik, Einordnen,
  • Abbiegevorgänge
  • Grundfahraufgaben: rückwärts Fahren, Parken, Wenden
  • Vollbremsung aus 50 km/h (neu seit Herbst 2002)
  • Trainieren verschiedener Fahrmanöver und Handlungsabläufe

 

3. Leistungsstufe

 

  • Einbeziehen der Verkehrs- und Vorfahrtregeln, Verkehrszeichen
  • Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer einschätzen
  • Festigung der Fahrzeugbedienung
  • Heranführen an schwierige Verkehrssituationen

 

4. Stufe der Sonderfahrten

 

  • Autobahnfahrten
  • Überlandfahrten
  • Fahrten bei Dämmerung oder Dunkelheit

 

5. Reifestufe

 

  • selbständiges, sicheres Fahren auch im dichten Verkehr, Fahren nach Wegweisern
  • Wiederholung, evtl. Korrektur des bisher Gelernten (z.B. Grundfahraufgaben)
  • sichere Fahrzeugbeherrschung in schwierigen Situationen
  • rechtzeitige Gefahrenerkennung, vorausschauendes Fahren, richtiges Reagieren auf Fehlverhalten anderer
  • Fahrstil: energiesparend, defensiv, aber zügig genug im Verkehrsfluss

 

6. Prüfungsvorbereitung

 

  • Belastungsproben (simulierte Prüfungsfahrten ohne Hilfe des Fahrlehrers)
  • Training, bis die Leistungsfähigkeit auch unter Stress und mit Nervosität stabil genug ist
  • Vermeidung/Abbau von Stressfaktoren während der Fahrt

Anmerkung: Für die Klasse L ist keine praktische Ausbildung vorgeschrieben; in den Klassen M, S, und T gibt es keine Sonderfahrten.